Müller prangert „Impf-Chaos“ an

In Gesundheit, Nachbarkreis by Redaktion

„Vor einem Jahr hat niemand damit gerechnet, dass wir heute schon über einen Impfstoff verfügen würden – und jetzt sind sogar schon drei zugelassen: ein unglaublicher Erfolg von Forschung und Wissenschaft! Eigentlich müssten wir alle in Hochstimmung und stolz auf das Erreichte sein. Stattdessen herrscht überall Frust“, stellt Andreas Müller, Landrat in Siegen-Wittgenstein, fest: „Schuld daran ist eine desaströse Corona-Politik von Bund und Ländern und ein absolut unnötiges Schwarzer-Peter-Spiel.

Keine Wertschätzung

Als wir etwa innerhalb weniger Tage bis Mitte Dezember 53 Impfzentren in NRW aus dem Boden stampfen mussten, wusste jeder, dass diese vor Ende Januar ohnehin niemals in Betrieb gehen würden. Trotzdem mussten Verwaltungen und Handwerker praktisch rund um die Uhr arbeiten, um eine völlig sinnfreie Terminvorgabe einzuhalten. Von einem wertschätzenden Miteinander des Landes mit den Kommunen kann leider nicht die Rede sein.“

Regierung weigert sich

Dass sich die Landesregierung bis heute weigert, dezentrale Impflösungen in den Flächenkreisen zu ermöglichen, fügt sich aus Sicht des Landrates nahtlos ins Gesamtbild ein.

Erst die Heimbewohner

Bisher wurden rund 6.000 Personen geimpft, davon etwa 1.000 auch bereits zum zweiten Mal. Nach dem Impfstoff-Stopp in der zweiten Januarhälfte werden nun bis Ende dieser Woche alle Heimbewohner in Siegen-Wittgenstein zumindest einmal geimpft worden sein. Auch die Impfung des Krankenhauspersonals wurde wieder aufgenommen.

Hand hält Impfstoff.
„Wir brauchen keinen Impfgipfel, wir brauchen Impfstoff“, heißt es aus Siegen-Wittgenstein. (Foto: Wilfried Pohnke)

Mitte Januar hatte der Landrat alle über 80-Jährigen, die nicht in Heimen wohnen, angeschrieben und zur Impfung eingeladen. In diesem Brief hat er auch darauf hingewiesen, dass sich jeder, der Fragen hat oder Unterstützung benötigt, an die Corona-Hotline des Kreises (0271 333-1120) wenden kann: „Eine Impfung soll auf keinen Fall daran scheitern, dass es irgendwelche organisatorischen Probleme gibt“, bekräftigt Müller: „Im Zweifelsfall werden wir mit Unterstützung von #siwihilft Lösungen für konkrete Probleme finden!“

;andrat Müller lässt sich zum Schein impfen
„Eine Impfung soll auf keinen Fall daran scheitern, dass es irgendwelche organisatorischen Probleme gibt“, bekräftigt Müller. (Foto: Siegen-Wittgenstein)

„Wenn Bund und Land das Versprechen einhalten wollen, bis Ende April alle über 80-Jährigen zumindest das erste Mal geimpft zu haben, muss die Zahl der Impfdosen, die wir im April bekommen sollen, mehr als doppelt so hoch sein, wie die in den nächsten Wochen“, betont der Landrat. „Wir brauchen keinen Impfgipfel, wir brauchen Impfstoff – und erwarten, dass dieser jetzt verlässlich und planbar kommt!“