IHK Lahn-Dill: „Harter Lockdown bedeutet das Aus für viele Händler“

In Geschäftsleben, Region by Redaktion

„Kleine Händler sind in ihrer Existenz bedroht“ warnte die IHK Lahn-Dill und sprach sich gegen den verschärften Lockdown für den Einzelhandel zwischen den Jahren aus. „Der Einzelhandel ist kein Hotspot. Die Schließung aller Geschäfte außer den Lebensmittelläden wird bei den Händlern für enormen wirtschaftlichen Schaden sorgen“, mutmaßt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill, Burghard Loewe, angesichts der aktuellen Situation.

„Kein Infektionsherd“

Der Präsident der IHK Lahn-Dill und des Hessischen Industrie- und Handelstages, Eberhard Flammer, sagte: „Wirtschaft und die Bekämpfung der Pandemie stehen nicht im ethischen Widerspruch. Die Politik sollte zur Pandemiebekämpfung weiterhin im privaten Bereich ansetzen. Die Wirtschaft hält sich verantwortungsbewusst an die einschlägigen Regeln und Konzepte. Sie ist kein Infektionsherd.“

Älterer Herr im Anzug
„Mich besorgt zweierlei: Der Blick auf die Infektionszahlen und dass möglicherweise noch mehr Betriebe in Hessen schließen müssen“, sagt Eberhard Flammer. (Foto: IHK)

„Die Einzelhändler kann man nicht für den neuerlichen Anstieg der Infektionszahlen verantwortlich machen“, sagt auch Jörg Palm, Vorsitzender des Handelsausschusses der IHK Lahn-Dill und Geschäftsführer des gleichnamigen Juweliergeschäftes in Wetzlar. Es gebe sehr hohe Hygieneauflagen, in den Läden werde auf das Tragen der Masken und das Einhalten des Sicherheitsabstandes geachtet, außerdem führten die Händler Einlasskontrollen durch. Palm befürchtet, dass der harte Lockdown für „viele Händler das Aus im kommenden Jahr bedeutet“. „Viele Kunden bestellen bereits über das Internet und meiden die Innenstädte, durch den jetzigen harten Lockdown werden noch mehr Kunden abwandern. Sie werden nicht mehr zurückkommen.“

Hohe Standards

Für Detlef Boje, Leiter des Wetzlarer Ikea-Marktes und ebenfalls Mitglied im IHK-Handelsausschuss, sind durch eine neuerliche Schließung vor allem die kleinen Geschäfte gefährdet: „Für den Einzelhandel sind die Tage zwischen den Jahren die umsatzstärksten des gesamten Jahres.“ Es seien schon lange nicht mehr die Samstage vor Weihnachten, an denen das Geschäft gemacht werde, das Einkaufsverhalten habe sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert.
„Nach Weihnachten haben die Leute Geld, dann gehen sie einkaufen und lösen ihre Gutscheine ein.“