Kann der Perfstausee wieder Badesee werden?

In Breidenstein by Redaktion

Wie berichtet, hat der (in Breidenstein lebende) Präsident der Hochschule Koblenz, Professor Kristian Bosselmann-Cyran mit einem Hochschul-Team die Problematik des Perfstausees untersucht. Seit 2017. Auf dieser Seite finden sich Einzelheiten zu den Untersuchungen.
Nun hatte der Breidensteiner Ortsbeirat eingeladen, um die Ergebnisse zu präsentieren. Das Fazit: Der Perfstausee kann wieder Badesee werden – aber einfach oder günstig ist es nicht. Die Belastung durch Fäkalkeime die – immer nach Starkregen – die Grenzwerte überschreiten, muss dazu reduziert werden.

Nicht die Landwirte

Zunächst: Die Nil- und Kanadagänse die sich vor Ort breitgemacht haben, sind nicht die Übeltäter der Fäkalverkeimung. Deren Kot trägt – bezogen auf die Größe des Sees – nur ganz unmaßgeblich zur Keimbelastung bei, quasi in kaum messbarem Umfang.
Das haben Bosselmann-Cyran und sein Team festgestellt. Und auch die heimischen Landwirte, die regelmäßig Gülle & Co. ausbringen, sind nicht die Schuldigen. Deren Einträge liegen, so der Wissenschaftler, weit unterhalb der Grenzwerte. Schade, eigentlich – denn dieses Problem hätte man vielleicht noch am günstigsten lösen können.

Es sind die Überläufe

Professor Lothar Kirschbauer und Anastasia Savin (Fachbereich Bauingenieurwesen der Hochschule Koblenz) haben gleichwohl herausgefunden, dass die Bakterien aus den 32 Regenüberläufen oberhalb des Sees angespült werden. (Coli-Bakterien oder auch Enterokokken gehören zu den für den Menschen gefährlichen Erregern. Sie lösen im schlimmsten Fall schwere Darm- und Magenerkrankungen aus.) Daher ist der Perfstausee auch seit mehreren Jahren nicht mehr als Badesee zugelassen.

Gänsekot am Rand des Sees. Im Hintergrund die Staumauer.
Der direkte Kontakt mit dem Gänsekot, der unter anderem E-Coli-Bakterien enthält, kann durchaus eine Gesundheitsgefahr darstellen, warnte Professor Bosselmann-Cyran. (Foto: Redaktion)

Was also tun? Die Fachleute haben den Vorschlag gemacht, zumindest an einem Teil der Überläufe sogenannte „Retentions-Filterbecken“ zu errichten. Als Bestandteile eines Entwässerungssystems dienen sie der weitergehenden Behandlung der Entlastungsabflüsse des Mischsystems oder reinigen im Rahmen der Regenwasser-Versickerung stark verschmutzte Abflüsse aus Trennsystemen und der Straßenentwässerung. Das wird nicht billig. Allerdings, so könnten dafür auch Fördermittel genutzt werden. Im Vorbecken sollten sich zudem Verunreinigungen absetzen, um das Hauptbecken zu entlasten. Diese Funktion scheint aber beeinträchtigt, weil das Becken über all die Jahre flacher geworden ist. Ein Ausbaggern könnte hier helfen.

Und die Wasserpest

Und dann ist da noch die Elodea – eine Pflanze (auch Wasserpest genannt) die seit langem ebenfalls für Probleme und Behinderungen im See verantwortlich ist. Sie bildet „Teppiche“ unter Wasser und behindert dadurch das Schwimmen, Surfen und Bootfahren massiv und mutet zudem sehr unappetitlich an. Ein Mähboot wird dem Problem nicht gerecht.

Wasserpest auf einem See. Ein grüner PFlanzenteppich.
Die Wasserpest behindert Schwimmen, Baden und Wassersport. Auch dagegen muss vorgegangen werden.

Zudem ist regelmäßiger Einsatz teuer und aufwändig. Es gibt weitere Maßnahmen, die eventuell helfen, etwa der Einsatz der Fischart „Rotfeder“ die sich von Elodea ernährt. Auch ein „Rollenpflücker“ könnte Besserung bringen – er reißt die Pflanzen aus. Und eine Algenart verdrängt Elodea, bildet aber ebenfalls einen Teppich aus, gleichwohl deutlich tiefer und weit weniger störend.

Die leidigen Nilgänse

Bosselmann-Cyran empfahl in seinem Vortrag im Breidensteiner Bürgerhaus, den See zeitnah zu entleeren und dann unter anderem gegen die Elodea spezielle Matten einzulegen. Wenn all diese Probleme behoben sind, steht es spätestens an, auch gegen die Nilgänse vorzugehen. Denn sie haben längst Liegewiese und Steg für sich vereinnahmt und wären einem Badebetrieb natürlich nicht zuträglich.

Nicht mehr füttern!

Auf alle Fälle müssen Besucher des Sees aufhören, die Tiere zu füttern! Ein Austauschen der Eier in der Brutzeit gegen Attrappen, ein Vergraulen und zur Not ein Bejagen könnten beitragen, das Probem zu lösen.
Wie man sieht, sind die Aufgaben vielfältig. Zu hoffen ist, dass die Stadt Biedenkopf den Badesee nicht abschreibt sondern entsprechende Maßnahmen beschließt. Denn auch beim „Dialog über die Zukunft der Stadt Biedenkopf“ wurde dies gewünscht – zur Verbesserung von Lebensqualität der Stadt und als großes Plus für Bürger und Tourismus.