„Mineralwasser-Anstalt in Biedenkopf“

In Biedenkopf, Kunst und Kultur by Redaktion

Mit einem sehr besonderen „Exponat des Monats“, nämlich mit engem Bezug zu Biedenkopf, wartet aktuell das Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf auf: Es ist eine Mineralwasserflasche aus durchsichtigem Pressglas aus den Jahren 1920/21. Und die Umschrift auf der Flasche lautet: „MINERALWASSERANSTALT VON EMIL HACKER BIEDENKOPF“. Die Flasche wurde dem Schlossverein Biedenkopf gestiftet.

Diese besondere Flasche (re.) ist aktuelles „Exponat des Monats“ im Hinterlandmuseum. (Fotos: privat/Landkreis)

Zusammen mit der Flasche wird – als zeitweise Leihgabe aus Privatbesitz – ein passender Tragekorb aus Zinkblech präsentiert. Er bietet Platz für 25 Flaschen. An einer der Außenseiten des Korbes steht „E. HACKER/ BIEDENKOPF“.

Beginn im 19. Jahrhundert

Über die Geschichte dieses Betriebes, der sich von der Mineralwasserfabrikation zur Süßmosterei entwickelte, hat Hans-Günther Möntnich (Biedenkopf) recherchiert: Neben der Gastwirtschaft und der Landwirtschaft erweiterte Georg Hacker (geboren 1842) sein Betätigungsfeld mit der Herstellung von Mineralwasser und Limonaden. Zudem hatte er die Alleinvertretung des „Römerbrunnens“ (Mineralquelle in Grund-Schwalheim). Im Oktober 1920 übergab er die Gaststätte an seinen Sohn Emil.

Viel Dramatisches

Georg Hacker starb 1921, und schon im Juni 1921 auch Emil Hacker im Alter von 46 Jahren. Dessen Witwe, Anna Katharina Daube, setzte die Mineralwasserherstellung fort. Drei Monate nachdem sie ihren Mann zu Grabe getragen hatte, fiel das Ökonomiegebäude einem Feuer zum Opfer. Die zur Mineralwasserfabrikation nötigen Maschinen konnten gerettet werden. Nach ihrem Tod 1940 übernahm Emil Georg Höhn den Betrieb, da die Hacker-Ehe kinderlos geblieben war. Der Nachfolger aber wurde Opfer des Zweiten Weltkrieges. So musste wiederum dessen Witwe Lina Höhn die Verantwortung übernehmen.

„Mostbär folgte“

Bereits 1938 war mit der Süßmosterei begonnen worden. Sohn Herbert Höhn (1935 bis 1997), weithin als „Mostbär“ bekannt, führte nun die Geschäfte. Aus Tante Hackers Gastwirtschaft war die Gaststätte „Mostbär“ geworden. Spezielle Säfte und Apfelwein aus Steinkrügen wurden nun angeboten. Die Unternehmensgeschichte endete 1995 mit dem Abriss des Anwesens. Öffnungszeiten und Preise des Hinterlandmuseums können auf dieser Seite eingesehen werden.