Exponat des Monats September ist ein Kaufladen

In Allgemein by Redaktion

Das Exponat des Monats September im Hinterlandmuseum ist ein „Kaufmannsladen“ oder „Kaufladen“. Es handelt sich um eine kindgerechte umgestaltete Ladeneinrichtung zum Spielen. Ein Einwohner von Bad Endbach stiftete es an das Hinterlandmuseum im Biedenkopfer Landgrafenschloss. Der Laden stammt vom Anfang der 1970er Jahre und war ein Geschenk der Großmutter an den damals fünf- oder sechsjährigen Jungen. Gespielt hat er mit dem Laden gemeinsam mit seiner Schwester und seiner Mutter.

Sozialverhalten
spielerisch erlernen

Seit dem 19. Jahrhundert sind zum Spiel nachgebaute Ladeneinrichtungen, die oft mit kompletter Warenausstattung vertrieben wurden, bekannt. Zunächst wurden sie allerdings, ähnlich einem Puppenhaus, mit Puppen bespielt. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es zum Kauf angebotene Ladeneinrichtungen zum Spiel in Kindergröße. Nachempfundene Verkaufsgespräche zwischen Verkäufern und Kunden, die wechselweise aus gleichaltrigen Kindern oder Erwachsenen bestanden, übten spielerisch soziale Umgangsformen sowie den Umgang mit Geld.
Anfang der 1970er gab es bereits nur noch wenige Geschäfte, in denen auf diese Weise Waren verkauft wurden, weil Supermärkte mit Selbstbedienung sich nach und nach durchsetzten. Trotzdem behielt man im Kinderzimmer diese Art des Verkaufens mit Ladentheke bei. Auch wenn die Kassen der Spielkaufmannsläden heutzutage mit Preisscannern und modernen Waagen ausgerüstet sind, wird das Spiel zu mehreren Personen bei der Einkaufssimulation nach wie vor bevorzugt.

Vertraute Produkte

Der Laden wurde mit Verkaufsverpackungen in Miniaturformat bestückt. Es handelt sich überwiegend um Pappschachteln, aber auch um Gewürzfläschchen oder Cremedosen. Die Verkaufsverpackungen bilden einen typischen Querschnitt von bekannten Markenwaren des täglichen Bedarfs aus der Zeit um 1970. Auf diese Weise wurden bereits Kinder mit ihnen vertraut. Nach 50 Jahren ist ein Vergleich mit dem heutigen Angebot interessant: viele Artikel sind verschwunden, viele aber auch heute noch erhältlich. Ursprünglich waren die Verpackungen mit Puffreis gefüllt.
In den Schubladen lagerten Waren wie etwa Reis, Zucker oder Mehl, die offen verkauft wurden. Auch aus einem Bonbonglas konnten sich die Kunden die gewünschte Menge selbst entnehmen.

Auffallend vollständig

Auffallend ist die Vollständigkeit des Kaufmannsladens mit Registrierkasse, Waage und Einkaufskörben. Daneben wurde der Laden später mit einer weiteren, im Maßstab sehr viel größeren Waage und Einkaufskörben ergänzt. Ebenso hat sich eine größere Menge Spielgeld in Münz- und Papierform erhalten.
Der Kaufmannsladen ergänzt die aktuelle Sonderausstellung „Kindheit im Hinterland“. Diese ist im Hinterlandmuseum noch bis einschließlich Mittwoch, 3. Oktober zu sehen.

Noch ziemlich vollständig und gut erhalten: der gestiftete Kaufladen. (Foto: Hinterlandmuseum)

Die wechselnden Exponate des Monats können während der Dauerausstellung im Hinterlandmuseum im kreiseigenen Schloss Biedenkopf bis zum 15. November dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr besucht werden. Außerdem besteht während der Winterpause vom 16. November bis 31. März für Gruppen ab zehn Personen die Möglichkeit einer Besichtigung nach telefonischer Voranmeldung. Weitere Informationen sind beim Hinterlandmuseum unter der Telefonnummer (06461) 92 46 51 erhältlich. Für Inhaber der Ehrenamtscard ist der Eintritt übrigens frei.